Einer geht noch…

Ein kleiner persönlicher Eindruck von der Großdemonstration gegen TTIP & Co. am 10. Oktober in Berlin

Wir schreiben das Jahr 2015 – genauer gesagt: Samstag, den 10.10. Ein Datum, das wir im Netzwerk Vorsicht Freihandel das ganze Jahr im Kopf behalten hatten. Mit Vorträgen, Infoständen und dem Sammeln von Unterschriften hatten wir auf dieses Datum hingearbeitet. Was war an diesem Tag? Richtig, die Großdemo gegen TTIP und CETA in Berlin.

Der Tag fing gut an, mit Sonnenschein aber schon einer gewissen Herbstkälte. Hochmotiviert und voller Elan standen wir in der Frühe am Gleis 7, um uns zu treffen. Dort sammelten sich die DemonstrantInnen, die mit dem Zug nach Berlin fahren wollten. Die ersten waren schon eine Stunde früher gefahren. Nach der Um(fair)teilung der Fahrkarten gingen wir in Startposition, als der Zug einfuhr. Frohen Mutes stiegen wir ein, stiegen ein, stiegen ein… Der Zug platze schon fast aus allen Nähten, aber irgendwo war noch immer Platz zum Atmen. Zwischendurch kam einem der Gedanke an das Lied „Einer geht noch, einer geht noch rein…“, aber lieber schlecht im Zug stehen als frierend auf den nächsten warten. Irgendwo stiegen wir um und dieser Zug bot wesentlich mehr Platz – und Sitzplätze! Laufen und stehen würden wir in Berlin noch zur Genüge.

Gegen 11:45 kamen wir im Berliner Hauptbahnhof an. Dieser ist groß, geht über mehrere Etagen – und war mit TTIP-GegnerInnen reichlich gefüllt. „Endlich hat dieses überdimensionale Gebäude einen Sinn! Hatten die Planer mit den riesigen Menschenmengen je gerechnet?“, dachte ich und wartete mit anderen am Bahngleis. Seelenruhig sortierten wir uns und fuhren die Rolltreppen hoch. Man bekam schon fast Nackenschmerzen, als man nur nach oben in die Menschenmassen schaute, die gen Ausgang drängten. Aber jeder hatte zum Laufen noch Platz – alles verlief gesittet, ruhig und friedlich.

Der Übergang vom Bahnhof auf den Vorplatz verlief kontrastreich bzw. mit mehr Demofeeling. Während im Bahnhof „nur“ die Menschenmassen, noch ohne Banner, liefen, empfing uns davor ein Banner-, Schilder- und Fahnenmeer. Im Hintergrund ertönten Reden und oben ratterte ein Helikopter. Die Massen sammelten sich. Menschen über Menschen – und die Hoffnung, hier etwas mit verändern zu können, wuchs. Grinsend zogen wir unsere Banner auf die Rohrstangen. Während wir unsere Nasen gen Sonne und Rednerbühne reckten, hielten wir nach weiteren NetzwerklerInnen Ausschau. Doch irgendwie kamen wir nicht vom Fleck. Es ging sehr langsam voran und bevor wir die Brücke erreichten, wurden wir auch schon umgeleitet. Die ersten DemonstrantInnen sollten schon die Siegessäule erreicht haben, so hieß es.

Durch die Umleitung kamen wir an der Bühne vorbei und zwei Songs wurden uns auf den Weg mitgegeben. Die Stimmung war überwältigend und die Sonne schien immer noch. Nachdem wir mit den Bannern auch den richtigen Takt und die richtige Höhe gefunden hatten, liefen wir am Bundeskanzleramt und am Bundestag vorbei auf die Straße des 17. Juni und zur Siegessäule, deren Figur in der Ferne golden leuchtete. Mittlerweile stießen auch einige Leute zu uns und man hatte zu tun, alle auf einem Fleck zu behalten. „Wo ist….?“ war eine sehr oft gestellte Frage. Zwischendurch wurden Fotos gemacht, Banner hochgehalten, im Rhythmus der Trommelgruppe mitgelaufen… Dann machten wir Pause im Tiergarten und genossen den Anblick der Menschen. Jeder war auf seine Weise kreativ gewesen und man konnte sich für die nächsten Aktivitäten inspirieren lassen. Nach einer letzten Runde mit einem großen Banner um die Siegessäule traten wir den Heimweg an und fuhren voller neuer Eindrücke, Hoffnungen und Ideen wieder nach Leipzig.

Demonstration 10.10.15